Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Geschichte kennen. Das gilt auch für die Situation auf dem Land in Ostdeutschland. In ihrem Buch „Ländliche Verheißung“ analysiert das Autoren-Quartett Mathias Burke,Eleonore Harmel, Leon Jank und Sabeth Kerkhoff, welchen Anteil die DDR- und die Nachwende-Politik an der Misere im ländlichen Raum haben. Und wagt einen Blick nach vorne.

Um die aktuelle Lage des ländlichen Raumes in Ostdeutschland zu verstehen, lohnt ein Blick zurück zur Entwicklung des sozialistischen Dorfes in der DDR. Bis letztendlich 95 Prozent der Flächen von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und Volkseigenen Gütern (VEG) bewirtschaftet wurden, vollzog sich die Umstrukturierung in vier Phasen: In der ersten Phase wurden ab 1945 agrarische Großgrundbesitzer im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone ohne Entschädigungen enteignet und das Land dem Staat bzw. in kleinen Parzellen an sogenannte Neubauern übertragen. In den Jahren 1948 bis 1952 versuchte man verstärkt, für Genossenschaften und Planwirtschaft in Dörfern zu werben, um damit die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft vorzubereiten, die schließlich bis 1960/1961 durchgesetzt wurde.

Bis zum Ende der DDR versuchte man schließlich in der vierten Phase stetig, auf eine Industrialisierung durch Konzentration und Spezialisierung der sozialistischen Landwirtschaft hinzuwirken, um die Produktivität deutlich steigern zu können. Dorfpolitik und -entwicklung wurden der Landwirtschaftspolitik untergeordnet, indem die kollektiven Betriebe die Gemeinden und deren Rolle in einer funktionsgeteilten Landwirtschaft dominierten.

Nach der Wende wurden diese vergesellschafteten Großstrukturen entsprechend dem westdeutschen Eigentumsrecht reorganisiert. Die LPGs wurden bis Ende 1991 vor die Entscheidung gestellt, sich entweder aufzulösen, Boden und Inventar an die ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben oder sich in andere Rechtsformen nach westdeutschem Handelsrecht umzuwandeln. Was nach freier Wahl klingt, geriet für die Betroffenen oft zu einer unübersichtlichen und existenzbedrohenden Situation, die zu Vermögensauseinandersetzungen und umfangreichen Rückübertragungsverfahren führte. Nicht zuletzt sind die Streitigkeiten über diese Umwandlung noch heute in vielen Dörfern der Grund für Feindschaften oder Lagerbildung.

Rund 30 Prozent der LPGs wurden letztendlich aufgelöst, wenige wurden zu Familienunternehmen und der größte Teil der Flächen von agroindustriellen Großunternehmen übernommen. Das VEG-Land wurde im Gegensatz dazu direkt an die staatliche Treuhandanstalt zur Privatisierung übergeben. 1992 entstand die staatliche Bodenverwertungs- und Verwaltungs-GmbH (BVVG), welche die Privatisierung der Landwirtschaftsflächen anstelle der Treuhand übernahm. Mit dem Zusammenbruch und der kompletten Transformation der Agrarwirtschaft nach der Wende kam es zu einer Welle von Massenentlassungen und Arbeitslosigkeit.

Aktuell werden weitere Flächen von großen Finanzinvestoren als Anlageobjekte erworben.

In den folgenden 20 Jahren verkaufte die BVVG 1,3 Millionen Hektar Land- und Forstwirtschaftsflächen. Die noch verbliebenen 120.000 Hektar sollen bis 2025 privatisiert sein, davon rund 30 Prozent allein in Mecklenburg-Vorpommern. Die großbetrieblichen Strukturen der DDR bereiteten also bereits den Weg in eine Spirale aus steigenden Landpreisen, extremem Wettbewerb um die Flächen und den Zusammenschluss in immer größere Unternehmenseinheiten. So hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe (ab fünf Hektar) von 1991 bis 2016 – von knapp 450.000 auf rund 250.000 – fast halbiert. Die Explosion der Bodenpreise wird vor allem um das Jahr 2000 deutlich, da nach zehn Jahren oftmals die Pachtverträge erneuert bzw. die Flächen für einen Wiederverkauf ausgeschrieben werden. Hier gibt es Preissteigerungen von bis zu 150 Prozent, wodurch der durchschnittliche Hektarpreis in Ostdeutschland zwischen 2003 und 2017 von 3.800 Euro auf 15.626 Euro anstieg; teilweise wurden bereits 2013/14 schon Preise von über 36.000 Euro verzeichnet. Nicht von ungefähr spricht man von Landgrabbing in Ostdeutschland, da sich ein großer Teil der Agrarfläche in den Händen von wenigen westdeutschen Unternehmen befindet. Aktuell werden weitere Flächen von großen Finanzinvestoren als Anlageobjekte erworben. Klassische Bauern können bei diesen Preissteigerungen kaum noch mithalten; ein Neueinstieg ist nahezu unmöglich. Dieser Strukturwandel ist zu großen Teilen für die Abwärtsspirale Ostdeutschlands nach der Wende verantwortlich.

Die Landwirtschaft, welche die alten Siedlungsstrukturen in ländlichen Räumen primär hervorbrachte, beschäftigt immer weniger Menschen. Durch die Industrialisierung der landwirtschaftlichen Produktion können vier Arbeitskräfte heute bis zu 1.000 Hektar bewirtschaften. Bis 2030 soll die Landwirtschaft weitere 40 Prozent ihrer Arbeitsplätze
verlieren. Die überregionale, subventionierte und industrielle Agroindustrie hat
zu entbetteten Dörfern geführt; das heißt, sie sind von der umgebenden Landwirtschaft entkoppelt und profitieren weder von den Arbeitsplätzen noch
von den Gewinnen. Neben anderen Gründen hat auch dies zur Flucht aus dem ländlichen Raum geführt.

Als Folge der Abwanderung von Menschen mit guten Jobaussichten sowie durch Überalterung sinkt die Finanzkraft der privaten Haushalte und die Nahversorgung in ländlichen Regionen dünnt weiter aus. So entsteht eine Abwärtsspirale, welche die im Grundgesetz festgeschriebene Aufrechterhaltung gleichwertiger Lebensverhältnisse noch weiter erschwert.

Ländliche Verheißung

Mathias Burke, Eleonore Harmel, Leon Jank, Sabeth Kerkhoff
Ruby Press, 2019
19,90 Euro
ISBN: 978-3-944074-27-6

LAND. Ausgabe 3

Dieser Artikel ist in Ausgabe 3 des LAND. Magazins erschienen “Reisen in die Zukunft”. Das Magazin kann hier für 12 € im Jahr abonniert werden.

Die Peene – kein normaler Fluss

Mit rund hundert Kilometern ist die Peene der längste Fluss in Mecklenburg-Vorpommern. Er entspringt südlich von Gnoien und mündet östlich von Anklam in den Peene-strom. Durch das geringe Gefälle von nur 24 Zentimetern hat die Peene eine äußerst langsame Fließgeschwindigkeit – und kann sogar bei Hochwasser in Ostsee oder Oder und entsprechenden Winden „rückwärts“ fließen. Ein Großteil der Ufer sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen, die Peene gehört zu den letzten naturbelassenen Flüssen Europas und trägt deshalb wohl auch den Titel „Amazonas des Nordens“. Wer Glück hat, kann Seeadler, Silberreiher und Eisvögel entdecken, aber auch Biber und Otter. 2010 erhielt die Flusslandschaft den EDEN Award für nachhaltigen Wassertourismus, eine Auszeichnung für exzellente Reiseziele in Europa.

Der Moorbauer

Wer mit dem Boot über den Peenekanal kommt, findet das Lokal kurz vor der Einfahrt in den Kummerower See auf der rechten Seite und kann am Steg festmachen. Gäste mit dem Auto fahren über die L20 (zwischen Malchin und Neukalen) und biegen zwischen Jettchenshof und Gorschendorf beim Hinweisschild „Moorbauer“ über eine Schotterpiste Richtung Peene ab. Dort gibt es am Ende des Weges einen Parkplatz. Mit einem der Plastik-Schwäne geht es dann in wenigen Minuten hinüber zum „Moorbauern“. Das Lokal ist nur im Sommer geöffnet, etwa zwischen Juni und August, immer donnerstags bis sonntags von 12-20 Uhr. Eine Reservierung ist dringend zu empfehlen. 

Weitere Informationen finden Sie unter: moorbauer.com

Anreise

Wer ab Malchin über die Peene fahren möchte, kann mit Auto oder Zug anreisen. Vom Bahnhof Malchin sind es nur etwa zehn Minuten zu Fuß in die Straße „Am Kanal“, wo die Bootsverleihstationen zu finden sind. Von hier aus geht es über den Peenekanal Richtung Kummerower See.

Bootsverleiher

Reisende können sich Kanus oder Kajaks, Motor- oder Hausboote mieten, um über die Peene zu fahren. Ein Führerschein ist nicht immer vonnöten. Eine Woche in einem 2er Kajak kostet zum Beispiel rund 130 Euro, ein Hausboot für dieselbe Zeit 950 Euro. Wichtig: Fragen Sie vorab, ob ihr Wassergefährt auch wieder am Zielort abgeholt wird und wann das Befahren des Kummerower Sees möglich ist, denn manchmal führt er für bestimmte Boote zu wenig Wasser. Wer ohne Haus reist, kann entlang der Peene auf Wasserwanderrastplätzen zelten, die in regelmäßigen Abständen am Ufer zu finden sind. Abhängig von der Höhe des Bootes sollten Sie außerdem zuvor checken, wann die beweglichen Brücken in Demmin, Loitz und Anklam die Durchfahrt gestatten. Für eine Fahrt vom Kummerower See bis Anklam sollten Sie etwa eine Woche einrechnen.

Verleiher in Malchin

Kanu-Club: malchiner-kanu-club.de

Wasserfreizeit Bremer: wasserfreizeit.com

Wer mit dem Solarboot („UrSolar“) und in Begleitung von Frank Götz-Schlingmann reisen möchte, kann sich bei ihm melden unter: peenebiber@gmail.com

Kontaktinfos

Wer sich mit den AktivistInnen austauschen und besuchen möchte, sollte vorher mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Uta Berghöfer (Malchin, Moorbauer): baeuerin@moorbauer.com

Sarah Dittrich und Hannah Kuke (Demmin, Treptower Straße 30, T30 e.V. Demmin): info@t30-demmin.de

Wibke Seifarth (Gatschow 22, Beggerow): post@landkombinat.org

Frank Götz-Schlingmann (Zukunftsstadt Loitz):
f.goetz-schlingmann@loitz.de

Klara Fries (Anklam, Demokratiebahnhof, Bahnhofstraße 1):
demokratiebhf@posteo.de