Was hilft gegen Rechtsextremismus? Klare Kante? Ignorieren? Oder doch Dialog? Viele Engagierte pflastern im ländlichen Raum Sachsens neue Wege im Stemmen gegen Rechts. Sie schaffen ein Miteinander. Ein LAND-Report über neue Gehhilfen für die Demokratie.

In die Stille fräst sich ein rauer Sound, vom Norden her die Einkaufsstraße hinab, die keine mehr ist. Es ist Freitagnachmittag, 16 Uhr. Keinen Menschen passiert die Sachs ZZ 50 entlang geschlossenen Geschäften unten und schmucken Bürgerwohnungen mit Gardinen und Blumenkästen oben im ersten Stock. Hin und wieder Leerstand. Die Jugendliche drosselt den 50-Kubikmeter-Motor ihres Mopeds, lässt ihn noch einmal heiser abhusten, während er auf ein Schaufenster zurollt; zwei Tauben fliegen auf. Ein Banner hängt hinterm Glas, bemalt mit einer Landschaft und Häusern und Bomben, die auf sie fallen. „Make Art not War“ steht darauf.

Lena steigt ab. Verschwindet im „Laden“, wie der Raum hier heißt. Und eröffnet das Jugendparlament der 16.000-Einwohner-Stadt Wurzen im Landkreis Leipzig. Noch sind nicht alle Vertreter der 16 Ortsteile da, aber „fangen wir an“, bescheidet sie, und sieben Jugendliche beugen sich mit ihr über den Holztisch in der Raummitte. Es beginnt ein geschäftiges Treiben, das die Ruhe draußen kontrastiert. „Hab das Kandidatentreffen für die Bürgermeisterwahl gecheckt“, sagt sie, „das können wir kennenlernmäßig machen“. Check. „Für unser Sommerevent sind noch die Kosten zu kalkulieren“, berichtet Jannik. Check. „Wir brauchen mehr Storchennester an der Mulde“, fordert Jonathan, „lasst uns die Gemeinderäte zusammentrommeln.“ Check. Die von Schülern gewählten Vertreter haben im Kommunalparlament zwar nur Antrags- und Rederecht, aber hier im „Laden“ klingt es, als regierten sie die Stadt. Je länger sie planen, desto greller leuchten die Bilder an den Wänden im beginnenden Abendrot.

Die Schüler nutzen den „Laden“ für ihre Treffen, weil er ein Raum für alle ist. Vor zwei Jahren gründeten ihn die Künstlerinnen Martina Jacobi und Leonore Kasper, mit Hilfe des „Neulandgewinner“-Programms der Robert Bosch Stiftung, das heute in den Händen des Thünen Institut für Regionalentwicklung liegt. Im früheren Lederwarengeschäft gibt es jetzt neben Workshops, Kunstkursen für Schulklassen, Theater und offenen Ateliers auch von Bürgerinnen und Bürgern selbst organisierte Treffen. Die geförderten „Neulandgewinner“ setzen insgesamt ein neues Miteinander den sozialen, wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen im Osten Deutschlands entgegen – den Leerstellen aus geschlossenen Kitas und Theatern, einem ausgedünnten Bus- und Bahnnetz und Vereinen, die sich aus Mangel an Mitgliedern auflösen. Sie bauen Brücken in eine Gesellschaft hinein, die immer mehr unter Spannung gerät: „Bei der demokratischen Kultur gehen wir in Sachsen schon seit einer Weile rückwärts“, hatte Anja Besand telefonisch mit auf den Weg nach Wurzen gegeben. „Es wird ja viel über den so genannten ‚Mainstream‘ geklagt, der sei so links-grün“ sagte die Professorin für Didaktik der Politischen Bildung an der TU Dresden in den Hörer, „in Sachsen aber gibt es einen anderen Mainstream, und der ist nicht links.“

Rechts liegen lassen?

Bei der Bundestagswahl im vergangenen September wurde die AfD in Sachsen stärkste Partei. Im Freistaat sympathisieren viele Bürgerinnen und Bürger mit rechtem Gedankengut, vor allem im ländlichen Raum. Soll man die rechts liegen lassen? Ihnen die kalte Schulter zeigen? Es gibt neue Projekte, die positive Impulse setzen, Bindung aufbauen und Demokratie säen wie Samen einer Pflanze. Dann wächst sie wie im Wurzener „Laden“. Dabei ist dieser kein „Projekt gegen Rechts“, keine ideologische Kaderschmiede zur politischen Missionierung – sondern ein Ort, an dem alle Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen und kreativ miteinander arbeiten können, sich verständigen; auch über ihre politischen Differenzen. Aber man redet miteinander. LAND. reist zu diesen Projekten und Menschen: ein Report über den neuen Umgang mit der Pflanze Demokratie und ein neues Stemmen gegen Rechts.

Die Schüler haben sich verabschiedet, nun trägt Martina Jacobi ein Stehschild vor die Tür, „Offenes Atelier“ steht darauf. Es lockt ein Dutzend Wurzener heute Abend zum Malen und Töpfern, zum Gespräch. Mit einer Rolle schwärzt Bartosz einen Strand nach, den er hier vor ein paar Tagen auf Leinwand gemalt hatte – am Vorabend des Krieges in der Ukraine. „Wir sprachen letztes Mal viel über unsere Angst“, sagt der Mittzwanziger, ursprünglich habe er ein schwarzes Meer malen wollen; vielleicht in Vorahnung des Waffengangs kam dann ein Potpourri aus gelben Zacken und bunten Wolken hinzu. „Das Kreative bringt uns auch immer wieder in Gespräche über Dinge, die die Leute beschäftigen“, sagt Martina Jacobi, ihre tiefbraunen Augen blitzen über der Maske. Wichtig sei, folgert sie, die Erfahrungen des Nächsten kennenzulernen.

Auch die Wurzener mussten erstmal den „Laden“ kennenlernen. Eine anfängliche Skepsis habe es gegeben, „vor allem, weil unser Laden kein Geschäft ist, in dem etwas verkauft wird“, lacht Martina Jacobi. Jeder könne vorbeikommen und mitmachen. Kreativ werden mit den vorhandenen Materialien. In Austausch kommen und andere Wurzener kennenlernen. Das sei ein neues Konzept im Leipziger Land.

Angesichts der „rechten Kontinuität“ in der Region habe es zu Beginn Anfeindungen gegeben, zerstochene Fahrradreifen und förmliche „Beobachtungen“. „Aber jetzt nicht mehr“, sagt sie. „Wir sind nun da, die Hemmschwelle zum Eintreten und Mitmachen hat sich gesenkt.“ Die Stadt Wurzen und der Kulturraum Leipziger Raum unterstützen die Arbeit im Laden. Man habe den Unfrieden von Rechts ins Leere laufen lassen und finde immer mehr Annahme in der Kleinstadt.

Seite 20 Jahren in der Jugendarbeit aktiv

Sascha Rusch vom Projekt „ReMoDe“ hilft u.a. Sozialarbeiterinnen und -arbeiter, die im rechtorientierten Umfeld arbeiten.

Die Politik Sachsens schaute lange weg

Sachsen hat ein Problem. Der Verfassungsschutz vermeldet steigende Zahlen bei Rechtsextremisten. Umfragen dokumentieren auch im ostdeutschen Vergleich eine stark verankerte Ablehnung von Kompromissen als einen Verrat an Prinzipien, im Freistaat lebt eine Mischung aus Nationalismus, Politikerverdrossenheit und Zuwanderung ablehnendem Ethnozentrismus. In der Wissenschaft kursiert die Beschreibung vom „sächsischen Exzeptionalismus“, dem Glauben an etwas Besonderes, der zuweilen in Frust und Wut umschlägt, wenn dieser vom Rest der Welt nicht geteilt wird. Sachsen, das sind auch die Ausschreitungen vor einem Wohnheim für „Vertragsarbeiter“ im Jahr 1991, das war das Hauptquartier der Terrorgruppe „NSU“, das Land mit Wahlerfolgen der Neonazipartei NPD mit dem Einzug in den Landtag von 2004 bis 2014, Heimat der rassistischen Pegida-Demos und heute Schauplatz massiver Anti-Corona-Proteste. Die Regierungspolitik Sachsens schaute lange weg: Ministerpräsident Kurt Biedenkopf erklärte noch 2000 die Sachsen für „immun gegen Rechtsex-tremismus“, dann plädierte sein Nachfolger Georg Milbradt für langsames Umsteuern, später bekannte Stanislaw Tillich, „Sachsen hat ein Problem mit Rechtsextremismus“. Der vierte und aktuelle CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer schließlich sieht im Rechtsextremismus Sachsens „größtes Problem“. Viele Förderprojekte hat der Freistaat nun aufgesetzt, sie sollen das zurückdrängen, was Sozialarbeiter wie Sascha Rusch „PAKOs“ nennen – Pauschalisierende Ablehnungskonstruktionen.

Der Weg zu ihm führt in ein Leipziger Altbauviertel, zwei Steinwürfe vom Souterrain-Büro entfernt steht ein Rechtsabbieger-Straßenschild, bestückt mit drei Spuckis: „Impfen macht schwul“, „Keine Meinung ist illegal“ und „Höchststrafe für Kinderschänder“ – ein stiller Diskurs mit dem kleinen Aufkleber vor Sascha Ruschs Schreibtisch: „Nein heißt nein.“ Der Sozialpädagoge engagiert sich seit 2002 in der Jugendarbeit. „Die heutige Situation ist vergleichbar mit den Neunzigern“, sagt der 45-Jährige, „und zwar in der Präsenz und Massivität rechten Auftretens.“ In den ersten Jahren nach dem Mauerfall gab es eine Welle rechter Gewalt in Ostdeutschland, breit verstreute Cliquen von Nazi-Skinheads, gut erkennbar auch für die Jugendarbeit, die sich auf deren Symptome wie Gewalt und Aggression konzentrierte und weniger die Ungleichheitsvorstellungen dahinter anging. „Die Skinheads von damals haben ihre Springerstiefel in den Schrank gestellt“, sagt Sascha Rusch. „Aber nicht unbedingt gedanklich. Und sie haben Familien gegründet.“

Die Skinheads von damals haben ihre Springerstiefel in den Schrank gestellt. Aber nicht unbedingt gedanklich.

Es fehlt an Orten und Zeit

Er arbeitet bei „ReMoDe“, dem Modellprojekt „Regional und Mobil für Demokratie“, welches einerseits Praxisforschung betreibt und andererseits Sozialarbeiter berät, die im rechtsorientierten Umfeld arbeiten, also umgeben von „PAKOs“. „Es fehlt an Orten und an Zeit sich auszutauschen“, bilanziert er. „Unsere Basis ist Beziehungsarbeit – wir bringen Gesprächstechniken bei.“ Deren Grundlage bildet das so genannte „Harvard-Konzept“, ursprünglich im geopolitischen Kontext entwickelt, um im Schatten zweier sehr konträrer Positionen einen Weg zu finden. Im Umgang mit rechtem Denken heißt das: „Jedes Verhalten macht subjektiv Sinn. Der muss herausgefunden werden, um zu wissen: Wie kann die Person begleitet werden, damit sich etwas ändert?“ Er beugt sich auf dem Bürostuhl nach vorn. Man könne, sagt er, sich an einer etwa rassistischen Äußerung abarbeiten oder nach der Wut dahinter suchen, nach Ansatzpunkten. „Es tun sich Linien hinter den PAKOs auf. Je weniger Selbstwirksamkeit, desto mehr Ideologie. Je mehr Schwierigkeiten, mit eigenen Emotionen umzugehen, desto mehr Ideologie. Und je mehr Eltern und Umfeld ähnlich drauf sind – desto mehr Ideologie.“ Allerdings: Solche pädagogischen Interventionen seien nicht angezeigt, „wenn verfestigte Ideologien und Einbindung in einschlägige Strukturen vorliegen“.

Ein ideologiefreier Raum

Einen Ort, an dem eifrig nach Ansatzpunkten gesucht wird, haben Georg Salditt und Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der Kleinstadt Ostritz gefunden – und zwar einen echten Hotspot der Gemeinsamkeit: das Freibad. Weil die finanzschwache Kommune es sich dieses nicht mehr leisten durfte, gründete sich eine Initiative: Badeaufsicht, Kasse und das Putzen der Toiletten übernehmen Ehrenamtliche. „Ins Freibad geht ja jeder“, schmunzelt Georg Salditt, 49, am Telefon. Ostritz hat eine Historie von Rechtsrockfestivals, kreativen Protesten dagegen und verhärteten Fronten, „im Freibad aber kommen wir zusammen, das ist ein ideologiefreier Raum“, sagt Salditt, auch er ein „Neulandgewinner“. Der genutzt wird: Neben dem Badespaß organisiert die Initiative Filmabende, Kleidertauschbörsen und Polittalks; einmal kam der geladene AfD-Wahlkreisabgeordnete und Co-Parteichef Tino Chrupalla. „Wir wollen ja, dass alle miteinander ins Gespräch kommen.“ Es sei ein schöner Ort geworden, sagt Georg Salditt. Der geplante nächste Schritt: „Wir haben ein Netzwerk gegründet, in dem sich die Ostritzer Vereine stärker abstimmen und aushelfen können.“

Das Freibad ist geradezu ein Symbol für Niedrigschwelligkeit. Anja Besand, die Didaktik-Professorin aus Dresden, hatte am Telefon gesagt: „Wir müssen Orte schaffen, wo Bildung entstehen kann, einzelne Begegnungen nutzen kaum.“ Den Ostritzern mit ihrem „MEWA Bad“ ist dies gelungen. Besand erzählte von einem „Undercoverprojekt“, bei dem sie eine Hundeschule besuchte. „Ganz unterschiedliche Leute gehen dorthin“, berichtete sie, „man sieht sich kontinuierlich wieder.“ Da sei natürlich auch etwa über Corona oder Rassismus geredet worden, die Erregungsthemen rechten Diskurses. Besand hatte ein Muster erkannt: Ein Konflikt kommt auf, in der Folgewoche dann Wiederannäherungsversuche und schließlich ehrliche Fragen. „Man mag sich ja, über die Hunde. So habe ich besser verstanden, wo bei manchen die Probleme und Verunsicherungen liegen.“ Einer habe sie gefragt: „‘Glaubst du, dass Menschen wie ich Rassisten sind? Muss ich das wollen – dass es hier so ist wie in NRW?‘“ Über die Bindung war etwas geschehen, eine Nachdenklichkeit.

Dieses Credo gilt auch für die extremsten Fälle. Ricardo ist ebenfalls ein Spezialist für Beziehungsaufbau, und zwar ins Milieu der Neonazis hinein. Er arbeitet im Aussteigerprogramm des Freistaats für Extremisten – 90 Prozent von ihnen aus dem rechten Bereich. Sein Büro ist in einem Leipziger Hinterhof, die Mitarbeitenden des Programms sind nicht öffentlich bekannt, aus Schutz. Denn viele Aussteiger haben Kontakte in gewaltbereite Gruppen hinein, in feste Strukturen, aus denen man nicht aussteigt wie aus einem Handyvertrag. „Für Angehörige können wir sagen: Es ist wichtig, dass der Kontakt nicht abgebrochen wird“, sagt er. „Brücken in die nicht-rechte Welt sind ausgesprochen wertvoll.“ 40 bis 60 Anfragen erhält das Programm im Jahr. Bei drei Viertel von ihnen beginnt eine langwierige psychosoziale Beratung. Ricardo macht eine besorgniserregende Entwicklung aus: Die Ächtung von Rechtsextremismus durch die Gesellschaft sinke. „Es gibt Risse in der stabilen Abgrenzung.“ Dies verringert Druckmomente zum Ausstieg. Nur was folgt daraus? „Wir werden uns in unserer bunten Welt nicht abgrenzen können, sind aufgefordert, in den Kontakt mit diesen Menschen zu gehen.“ Und noch eine Tendenz erkennt Ricardo: „Der moralische Feldherrenhügel setzt sich immer mehr durch. Es geht vielen Leuten öfter darum, sich in der eigenen fehlerfreien Position zu befestigen. Das erschwert einen echten Austausch.“

„Ins Freibad geht ja jeder“: Georg Salditt hat das gemeinschaftliche Betreiben des Freibads von Ostritz als Vehikel genutzt, um die Menschen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen.

Phase 1 diente dem Frustaustausch

Nicht leicht hat es zum Beispiel der „Frei:Raum“ im 150 Kilometer östlich gelegenen Sebnitz. Es ist Samstag um 18 Uhr, man hat zum Spieleabend geladen, in einen Raum für alle Bürgerinnen und Bürger – wie in Wurzen. Sieben Leute spielen Karten, hinten drei Männer Skat und vorne drei Frauen „Phase 10“, bei dem Spiel müssen Kartenkombinationen erreicht werden; mit jeder neuen Phase wird diese komplexer. Die Initiative hinterm Frei:Raum befindet sich gerade ungefähr in Phase 3: Im vergangenen September hatte man den Raum eröffnet.

„Als Gruppe kamen wir schon 2016 zusammen“, erinnert sich Annette Schmidt-Scharfe, sie kommt von hinten und stellt Häppchen mit Käse und Schinken auf den langen Holztisch. In Weckgläsern brennen Kerzen. „Damals waren wir Leute, die sich für Geflüchtete engagierten und deshalb Stress mit Sebnitzern hatten.“ Phase 1 diente also dem Frustaustausch. „Wir dachten: Das kann doch nicht die Mehrheit sein“, sagt Annette Schmidt-Scharfe. In Phase 2 bewarb sich die Gruppe erfolgreich fürs Programm der „Neulandgewinner“ – und legt nun los.

„Vermeidet Indifferenz!“

Aller Anfang ist holperig: Die Bude wird ihnen heute nicht eingerannt, man bleibt unter sich. Ein zehnjähriger Junge dreht hinten links am Kicker, vorn sorgt sich Elisabeth, 74, um die fliehenden Ukrainer. „Die kommen nur mit Plastiktüten an, mit Kindern. Wie sollen die nur hier lernen?“, fragt sie. Ihr gegenüber sitzt Silvie, heute hat sie eine Waschmaschine für eine Familie aus Kiew organsiert. „Die haben Online-Unterricht und treffen sich mit ihrer Klasse virtuell. Nicht schlecht eigentlich.“ Das Credo des Frei:Raum: „Menschlich sein ist cool, wir betreiben keine politische Propaganda, sondern fragen: Wo können wir helfen?“, sagt Annette Schmidt-Scharfe, 50. Die Revierförsterin wirkt nimmermüde, erdverwurzelt, lächelt viel. Aus Schalk winkt sie schon mal aus dem Inneren fremde Passanten heran. Vergangene Woche haben sie Teilnehmende der Anti-Corona-Spaziergänge direkt angesprochen, eine kontroverse Debatte entzündete sich, „aber wir schlugen uns nicht sprichwörtlich die Schädel ein“. All dies erinnert an die Empfehlungen, die Didaktik-Professorin Anja Besand am Telefon aussprach: „Vermeidet Indifferenz! Überseht nicht die Opfer, konzentriert euch nicht nur auf die Täter!“

Es dunkelt. Sebnitz liegt still da, nichts rührt sich. Trotz Corona-Pandemie sei der Frei:Raum bekannter geworden, sagt Annette Schmidt-Scharfe. „Ich bin mutiger geworden. Wir alle in der Gruppe.“ Sie bläst die Kerzen aus und schließt für heute ab.

Menschlich sein ist cool, wir betreiben keine politische Propaganda, sondern fragen: Wo können wir helfen?

Nimmermüde, erdverwurzelt: Annette Schmidt-Scharfe ist eigentlich Revierförsterin und hat mit dem „Frei:Raum“ einen Ort geschaffen, an dem Mut gedeiht.

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